Abschied von Pfarrer Markus Morgen und Pfarramtssekretärin Gertrud Ruf

Pfarrer Markus Morgen "pilgert" weiter nach Erbach im Alb-Donau-Kreis und Pfarramtssekretärin Gertrud Ruf geht in Ruhestand

Worte des Dankes und Lobes wollen gar nicht mehr enden, als Pfarrer Markus Morgen im Gottesdienst in den Ruhestand verabschiedet wird. 15 Jahre war er im Kochertal, während Pfarramtssekretärin Gertrud Ruf 35 Jahre hier diente. Fotos: Sonja Reichert

Ein Pfarrer mit Humor, Herz und Gitarre

Hunderte Gottesdienstbesucher verabschieden in Ingelfingen den Geistlichen Markus Morgen und Pfarramtssekretärin Gertrud Ruf

Schon die Ankunft des katholischen Pfarrers Markus Morgen an der Heilig-Kreuz-Kirche gebietet Ehrfurcht: Mit seinen Kollegen Bömer aus Schöntal und Nohanowitsch, bis Ende 2024 in Pfedelbach, den sechs Ministranten, der stehenden Gemeinde und dem eindrucksvollen Orgelspiel. Wenn dann feierlich aus den vielen Kehlen erklingt: „Wo Menschen sich vergessen, die Wege verlassen, und neu beginnen, ganz neu. Da berühren sich Himmel und Erde, dass Friede werde unter uns“, gelingt es Pfarrer Morgen nach wenigen Sekunden in seiner Begrüßung, diesen Moment mit seinem Humor aufzulockern: „Ich bin überwältigt! Eigentlich müsste man öfter Abschied nehmen.“

Lebensstufen

Innerhalb der liturgisch vorgegeben Struktur des feierlichen Gottesdienstes liest Kirchengemeinderätin Sandra Hertweck Auszüge aus dem Gedicht .Alles hat seine Stunde“ aus dem Buch des Propheten Kohelet. Danach stellt Pfarrer Morgen in seiner Predigt Hermann Hesses Gedicht „Stufen“ in den Mittelpunkt: „Es muss das Herz bei jedem Lebensrufe, bereit zum Abschied sein und Neubeginne.“ Damit meint er, das Leben als fortwährenden Prozess des Wandels zu begreifen, in dem jeder Lebensabschnitt durch einen neuen ersetzt wird und man bereit sein müsse, sich von Vergangenem zu lösen. In den 15 Jahren „im schönen Kochertal“, so Morgen, „habe ich in Gottes schönem Blumengarten vom Forchtenberger Waldfeld bis Seidelklingen Begegnungen mit unterschiedlichen Menschen gehabt“. Auch Gertrud Ruf wird als Pfarramtssekretärin der Kirchengemeinde nicht mehr zur Verfügung stehen, da sie nach 35 Jahren in den Ruhestand versetzt wird.

Morgen wird als „Pilger Gottes“ nach Erbach bei Ulm gehen. Die vergangenen 15 Jahre betrachtet auch er als Treppenstufen, wenn er sieht, dass viele der diesjährigen Firmlinge schon von ihm getauft worden waren. Er bedankt sich bei seinen „Mitgehern“, allen voran seinem Team mit Diakon Ankenbrand, den Sekretärinnen Gertrud Ruf und Sylvia Frank, der Gemeindereferentin Sabine Beck, die ihn bis vor fünf Jahren tatkräftig unterstützt hat. Dazu gehören auch Mesner, Ministranten, Kirchengemeinderäte, Pfadfinder, Organisten, Kirchenschmücke- rinnen, Reinigungskräfte und alle, die ihn auf seinen Lebensstufen bis hierher begleitet haben. Noch ein mal zitiert Morgen Hesses „Stufen“: „Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden, Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!“ und wendet sich an alle: „Ich danke Gott für diese schöne Zeit mit Ihnen und euch im Kochertal, ich danke für das gute Miteinander! Behüt’ euch Gott!“ Rauschender Beifall folgt.

Die Mitglieder der Ökumenischen Frauengruppe unter der Leitung von Anna Kober geben ihrem Glauben in einer meditativ-tänzerischen Einlage Gestalt, bei der sie die ganze Gemeinde in ihre Bewegungen einbeziehen. Der Singkreis Eberstal bringt in dem Lied „Geh unter der Gnade“ in einer eigens für diesen Abschiedsgottesdienst gedichteten Version die Charaktereigenschaften des Pfarrers auf den Punkt, seine zugewandte Art, seine Leidenschaft fürs Radfahren, seine Begeisterung fürs Fasching feiern oder auch seine gelegentlich etwas unstrukturierte Arbeitsweise: „Manchmal ging’s nicht so geordnet, doch gerade das war herzlich und wir mochten dich noch mehr.“ Das geht richtig unter die Haut.

Geschenke

Schon musiziert die Eberstaler Blaskapelle schwungvoll auf dem Vorplatz, die Kirchgänger stellen sich an, um ihren Pfarrer durch Händeschütteln oder Umarmung zu verabschieden. Im Gemeindesaal herrscht dichtes Gedränge, Dankesworte an Pfarrer Morgen und Gertrud Ruf von verschiedensten Beteiligten folgen.

Zwei seien herausgegriffen: Die Seelsorgeeinheit Mittleres Kochertal überreicht einen Gutschein für ein Fahrrad, ein feines E-Klapprad steht als Appetitmacher im Saal. Ingelfingens Bürgermeister Michael Bauer schenkt Morgen eine Ersatzkugel vom städtischen Weihnachtsbaum, eine Reminiszenz an eine Feier, bei der Morgen sein Exemplar zerdrückt hatte.

Bei Häppchen erfährt man von allen Seiten, wie der Pfarrer war. Die Aussagen decken sich. Die von Luisa Ehrler, elfte Klasse, Oberministrantin und seit ihrem achten Lebensjahr dabei, sei herausgegriffen: „seine lockere Art, er war immer für einen da, liebenswert, man hatte was zu lachen, schöne Ministrantenausflüge, Kegeln gehen, spontan, hilfsbereit, manchmal bissle chaotisch, hängt an den Menschen, hat Trinken spendiert“. Was will man mehr von einem guten Pfarrer?


Übergangszeit

Nach 15 Jahren verlässt Pfarrer Morgen seinen Wirkungskreis als leitender Pfarrer in der Seelsorgeeinheit Mittleres Kochertal und geht nach Erbach im Alb-Donau-Kreis. Dekan Ingo Kubach geht bei der Verabschiedung auf die Nachfolge ein. Diese ist noch nicht geklärt, die Bewerbungen laufen noch. In der Übergangszeit ist für die Seelsorge ein Pfarrer da und auch die administrativen Aufgaben werden in dieser Zeit übernommen.

Von Sonja Reichert/ HZ v. 30.07.2025