Gemischte Gefühle bei den Gläubigen
Katholischer Bischof Klaus Krämer hält in Öhringen mit knapp 200 Teilnehmern Regionalkonferenz zu „Kirche der Zukunft“ ab
Mit großer Entourage an Mitarbeitern reiste Bischof Klaus Krämer am Freitag nach Öhringen. In die katholische Kirche St. Joseph hatte die Diözese Rottenburg-Stuttgart eingeladen, um hier die fünfte Regionalkonferenz des Bistums zum Prozess „Kirche der Zukunft“ abzuhalten. Rund 200 ehrenamtliche und hauptamtliche Mitarbeiter aus den Dekanaten Hohenlohe, Heilbronn-Neckarsulm und Mergentheim waren der Einladung des Bischofs gefolgt. Sie wollten Informationen über die anstehenden Veränderungen, die die Diözese angesichts sinkender Mitgliederzahlen, schwindender Kirchensteuereinnahmen und immer weniger Menschen, die in pastoralen Berufen arbeiten, plant. Diese Veränderungen sehen vor, dass die Zahl der Kirchengemeinden von jetzt über 1000 auf maximal 80 in der Diözese reduziert wird. Zum 1. Januar 2030 wird dies der Fall sein.
Sorgen um Benachteiligung
Ein umfangreiches Konferenzprogramm hatten der Bischof und seine Mitarbeiter geplant und sich dafür ein Zeitfenster von zwei Stunden gegeben. Rasant war das Tempo, mit dem Stefanie Oeben die Konferenz moderierte und Barbara Strifler den aktuellen Projektstand skizzierte. Krämer ging in einem Interview auf Fragen ein, die man schon Tage vor der Konferenz ans bischöfliche Ordinariat hatte senden können. Hierin haben Gemeindeglieder unter anderem die Benachteiligung von kleineren Gemeinden angesprochen oder auch die Sorge geäußert, wo sich in Zukunft Gemeinden treffen sollen, wenn man Gemeinderäume abgeben muss. Der Bischof wies mit Blick auf die künftig größeren Einheiten auf ein „dichteres pastorales Netzwerk“ hin. Bezüglich der zu erwartenden hohen finanziellen Belastung bei der Instandhaltung von Immobilien meinte er: „Das Geld ist schlichtweg nicht da.“
Der lebhafteste Teil der Konferenz war eine Fragerunde, bei der sich Bischof Krämer als auch Barbara Strifler, Elke Bürkle, Thomas Schwieren (alle bischöfliches Ordinariat) und Tobias Kriegisch (Dekanatsreferent des Dekanats Ostalb) den Fragen stellten. Teilnehmer Stefan Baier monierte gleich zu Beginn offensichtlich sehr aufgebracht: „Ich hatte nicht die Möglichkeit Fragen zu stellen.“ Warum Baier und auch einige andere Teilnehmer nicht darüber informiert worden waren, dass man vorab Fragen einreichen kann, das konnte bei der Konferenz ad hoc nicht geklärt werden. Baier nutzte dann live die Gelegenheit, um vom Bischof eine Stellungnahme zum Thema Frauen in der Kirche zu erhalten. Das Thema Frauen-Diakonat, so Krämer, sei eine Frage, über die man nicht allein entscheiden könne. Er versicherte aber: „Wir gucken auch überall, dass Frauen mitverantwortlich dabei sind.“ Oft wurden Ängste und Befürchtungen an die Redner herangetragen. „Wir fühlen uns allein gelassen“, war etwa zu hören. Eine Teilnehmerin aus Niedernhall sprach die finanziellen Rücklagen der Kirchengemeinden an. Sie wollte wissen, inwiefern diese denn in die neue Gemeinde eingehen werden. Tobias Kriegisch mahnte hier Solidarität an und sagte: „Wir werden Lösungen finden.“ Dieser Satz war bei der Konferenz so oder so ähnlich immer wieder zu hören. Er zeigte, dass derzeit noch manche Frage nicht geklärt ist. Ans Mikrofon trat auch Eberhard Popp vom Dekanat Mergentheim. Er sagte: „Wir vermissen Transparenz bei dem ganzen Prozess. Wir wissen nichts über die finanziellen Auswirkungen. Wir haben keine Ahnung, was auf uns zukommt.“ Angesichts dessen, was den Kirchengemeinden abverlangt werde, meinte Popp: „Vielleicht sollte man im Ordinariat auch den Sparhebel ansetzen.“ Spontan brandete Applaus auf. Bischof Krämer sagte, dass er den „Zeitkorridor für machbar“ halte, ebenso, dass es im Ordinariat ein Einsparziel von 15 Prozent gebe. Man spare „auf allen Ebenen der Diözese“. Weiter unterstrich er: „Das bischöfliche Ordinariat muss Gemeinden als Dienstleister zur Verfügung stehen.“
Deutliche Worte von Besuchern
Nach der Konferenz hörte sich die HZ bei den Teilnehmern um. Claudia Reinhardt aus Pfedelbach verriet: „Ich gehe mit einem guten Gefühl hier raus.“ Ein anderer Teilnehmer indes fand: „Man macht alles so schnell. Es gibt einen hohen Zeitdruck.“ Martina Markert fand deutliche Worte: „Ich denke, dass wir an der Situation gar nichts ändern können, dass wir im Vorfeld nicht involviert waren.“ Kritik am Prozess übt auch Ludwig Rothenfels. Er hätte sich gewünscht, dass die Kirche in der Vergangenheit dem Mitgliederschwund entgegen gewirkt hätte, „damit die Mitgliederzahl wieder wächst“. Für seinen Geschmack werde zu viel auf mögliche negative Entwicklungen geschaut. „Hier wird nur abgeleitet, als wäre es ein Wirtschaftsbetrieb“, ist sein Vorwurf.
Regina Koppenhöfer, Hohenloher Zeitung, 16.6.2026, www.stimme.de


