Buntheit prägt Geschehen gestern und heute

Katholisches Dekanat Hohenlohe besteht seit 200 Jahren und lebt von seiner Vielfalt sowie dem Einsatz der Menschen vor Ort

Gelebte Ökumene: Die evangelischen Dekane Sabine Waldmann und Dr. Friedemann Richert (rechts) schenken ihrem katholischen Kollegen das Buch „Unser Glaube“, Foto: Ralf Reichert

Kloster Schöntal atmet Geschichte und steckt voller Geschichten. Die Klosterkirche erstrahlt in barocker Pracht und ist so reich an Farben und Formen, dass man einige Zeit braucht, um alle Details zu erfassen. Doch schon auf den ersten Blick erahnt der Betrachter die Buntheit und Vielfalt des sakralen Bauwerks, dem trotz dieser überbordenden Fülle eine wohlgewählte Ordnung innewohnt.

Hier treffen sich Himmel und Erde auf harmonische Weise, göttlicher Glanz spiegelt sich wieder im menschlichen Antlitz: facettenreich und lebendig. Insofern strahlt dieses Gotteshaus etwas aus, das auch das katholische Dekanat Hohenlohe kennzeichnet. Und deshalb gibt es keinen besseren Platz, als das 200-jährige Bestehen dieses Gemeindeverbunds dort zu feiern. So geschehen am Freitagabend.

Dieses Dekanat, es hat seit 1818 große Veränderungen erlebt. Viele Menschen kamen und gingen und setzten sich für die Verkündigung des christlichen Glaubens ein. Ob im Hauptamt oder im Ehrenamt. Ob im alten Kernland, dem Jagsttal, oder in der jüngeren Diaspora, auf der Ebene. Auch anno 2018 ist das katholische Leben und Wirken in diesem Dekanat Hohenlohe vor allem eines: vielfältig. Das bringen 15 Frauen und Männer sehr schön zum Ausdruck, als sie zum Altar schreiten und dort die Früchte der mannigfaltigen Arbeit ablegen, die im Dekanat geleistet wird und wurde. Dieses Bild spricht Bände und bildet eine weitere augenfällige Symbiose, während Weihbischof Thomas Maria Renz die Gaben bereitet.

„So unterschiedlich sind die Menschen, und so unterschiedlich ist Kirche“, sagt er in Bezug auf Paulus und Petrus, die den Altarraum hinter ihm zieren. Zwei zentrale Figuren der christlichen Geschichte, der eine „maßlos“ und "grenzenlos" in seinem missionarischen Eifer, der andere „stabil“ und „unverrückbar“ im „Festhalten und Bewahren“ des Glaubens. „So bunt ist auch das Dekanat Hohenlohe seit 200 Jahren“, erklärt Renz. Damit meint er all jene, „die diesem Dekanat ein Gesicht gaben und geben“, die dafür sorgten und sorgen, „dass Gott erfahrbar und lebendig wird durch uns lebendige Menschen“.

Der Weihbischof dankt ihnen für diesen „großartigen Einsatz“, auf dass sie mit ihren „Begabungen und Möglichkeiten“ auch in Zukunft Jesus Christus bezeugen mögen: „Sie sind der Schatz dieses Dekanats“ – das übrigens fast deckungsgleich ist mit dem Hohenlohekreis, der freilich erst auf 45 Jahre zurückblicken kann. Die Kirche und der Kreis seien eng verbunden in ihrer gemeinsamen Aufgabe, „das Wohl der Menschen zu suchen und zu mehren“, meint Landrat Dr. Matthias Neth. Beide hätten den gleichen Bezugspunkt: die Gemeinde. „Wir arbeiten gut zusammen: in der Jugendarbeit, in der Altenhilfe, bei der Integration von Flüchtlingen und Aussiedlern.“ Trotz aller Veränderung: „Der Mensch und der Staat suchen nach etwas Beständigem.“ Genau das könne Kirche bieten in einer Zeit, „in der alles immer schneller zündet“.

Dekan Ingo Kuhbach aus Mulfingen sagt am Ende seines historischen Abrisses: „Das Dekanat hat es in den 200 Jahren immer wieder verstanden, sich organisatorisch zu verändern, sich aber nicht vom Zeitgeist auffressen zu lassen.“ Andererseits bemerkt er mit einem Schmunzeln: „Wir trauen jetzt auch samstags, ohne zu murren.“ Was für ihn am wichtigsten ist? „Kirche vor Ort zu verstehen“, was so viel heißt wie: Die Menschen an der Basis an- und mitzunehmen, in ihrer gesamten Buntheit. Und all diesen so unterschiedlichen Seelsorgeeinheiten größtmögliche Freiheit zu lassen.

 Ralf Reichert, Hohenloher Zeitung, 3.7.2018, www.stimme.de