Die Menschen sind ihm wichtig

Pfarrer Jean-Renaud Lubiangenu aus dem Kongo ist Seelsorger im mittleren Jagsttal

Foto: Regina Koppenhöfer

Ich war bereit, dorthin zu gehen, wo ein Priester gebraucht wird. Wichtig war für mich nicht der Ort. Wichtig sind für mich die Menschen.“ Diesem Leitgedanken folgte Pfarrer Jean-Renaud Lubiangenu, als er im Sommer 2010 von seinem Bischof von Afrika aus nach Deutschland entsandt wurde.

An der Idee von damals hat sich für den 46-Jährigen seither nichts geändert: Die Menschen sind es, die ihm am Herzen liegen. Um Gläubige hat er sich in den vergangenen rund zehn Jahren an verschiedenen Orten in Süddeutschland gekümmert. Seit vergangenem Jahr ist Pfarrer Jean-Renaud, so nennen ihn die Katholiken in Mulfingen und Umgebung, in der Seelsorgeeinheit Mittleres Jagsttal der Pfarrvikar.

Theologie Jean-Renaud Lubiangenu stammt aus der Demokratischen Republik Kongo in Zentralafrika. Sein Vater war Lehrer, die Mutter Hausfrau, fünf Geschwister gibt es noch. In seiner Heimat besuchte der Katholik eine von Priestern geleitete Schule und nach dem Abitur war für den jungen Mann klar, dass er selbst auch Priester werden möchte. Es folgten das Priesterseminar und das Studium der katholischen Theologie und Philosophie. Nach seiner Priesterweihe im Dezember 2001 wurde Lubiangenu Bischofssekretär. Es folgten verschiedene Pfarrstellen. Schließlich wurde er Direktor der Caritas in der Diözese Luebo. Von hier aus entsandte ihn Bischof Pierre-Célestin Tshitoko Mamba im Sommer 2010 nach Deutschland.

In einer Kirchengemeinde in Sindelfingen wurde Lubiangenu Pfarrvikar. Ob er denn damals schon Deutsch sprechen konnte, will die HZ-Mitarbeiterin von ihm wissen. Lubiangenu bejaht das schmunzelnd. Deutsche Philosophen und ihre Sprache habe er im Studium kennengelernt. „Aber richtig Deutsch verstehen, das habe ich hier erst gelernt“, verrät er lächelnd. Parallel zu seinem Dienst in der Kirchengemeinde absolvierte er deshalb in dieser Zeit noch ein Sprachenstudium.

Auf Sindelfingen folgte Bad Urach, danach kam eine Kirchengemeinde in Weilheim-Lenningen. Acht Jahre war er dort. Schließlich zog er vergangenes Jahr nach Mulfingen. Dort unterstützt er jetzt Dekan Ingo Kuhbach in der Seelsorgeeinheit Mittleres Jagsttal.

Die Pandemie hat seinen Start in der Seelsorgeeinheit nicht einfach gemacht. Kontakte und Gespräche mit den Menschen sind das tägliche Brot eines Priesters. Doch in Zeiten der Kontaktbeschränkungen ist das gar nicht so einfach. Dennoch scheint der Seelsorger im Jagsttal angekommen zu sein. Mit strahlendem Lächeln verrät er: „Ich habe hier ein gutes Gefühl.“ Die Tatsache, dass er in Ingo Kuhbach einen Kollegen vor Ort hat, trage auch dazu bei. Die zurückliegenden acht Jahre sei er allein in seiner Kirchengemeinde gewesen. Es sei jetzt schön, die eigene Wohnung unter einem Dach gemeinsam mit dem Mitbruder zu haben und sonntags nun mit diesem auch zusammen kochen und essen zu können. Auch die Landschaft gefalle ihm, verrät er. Wenn das Wetter wieder besser wird, plant er, die Umgebung noch mehr mit dem Fahrrad zu erkunden.

Mindestens einmal im Jahr macht er bei der Familie und Freunden im Kongo Urlaub. Während der Pfarrer hier in Hohenlohe in der Freizeit Fahrrad fährt, steigt er in der afrikanischen Heimat auf sein Motorrad. Einmal sei er damit 1000 Kilometer von der Hauptstadt Kinshasa in seinen Heimatort gefahren. Ums Wetter muss er sich dabei keine Sorgen machen. „Wir haben zwei Jahreszeiten. Trockenzeit und Regenzeit. Und die Sonne ist jeden Tag da“, sagt er.

Das kühle Winterwetter in Deutschland trübt die Stimmung des Pfarrers nicht. Zu viel Gutes gebe es hier. Dazu gehören die deutsche Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit. „Man kann hier planen“, das schätzt der Priester. „Mir gefallen aber auch die schönen Kirchen. Sie sind alt und gut erhalten und das ist etwas Besonderes“, sagt er, um dann noch zu ergänzen: „Und die Kirchen sind nicht leer. Jedes Mal, wenn die Kirche gut besucht ist, dann freue ich mich und bin dankbar. Denn dafür bin ich ja Priester geworden.“

Regina Koppenhöfer, Hohenloher Zeitung, 08.02.2021, www.stimme.de