Gerecht handeln im Kirchenalltag

Katholiken von St. Joseph, Öhringen starten Projekt „Faire Gemeinde“

(von links) Barbara Keppler, Hedwig Ulbricht, Marianne Müller, Nada Zinic und Ursula Klimm. Foto: Regina Koppenhöfer

Aus der Küche des katholischen Gemeindesaals wabern leckere Düfte. Linsen-Bolognese blubbert hier in den Töpfen. Die Linsen dafür kommen aus Westernhausen. Nudeln wurden in Orendelsall gekauft, Speck und Gemüse auf dem Lindelberg. Die passierten Tomaten haben Bio-Qualität. Die Produkte sind Vorzeichen für einen neuen Weg, den die Kirchengemeinde beschreiten will: Man will künftig „Faire Gemeinde“ sein. Im Sonntagsgottesdienst wurde das Projekt vorgestellt und das Startsignal dafür gegeben.

„Es liegt uns sehr viel daran, durch unser Verhalten für faire Verhältnisse zu sorgen“, sind Nada Zinic und Ursula Klimm sich einig. Die beiden Frauen sind zwei der sechs Mitglieder der Steuerungsgruppe Faire Gemeinde. Faires Handeln ist für die Öhringer Katholiken allerdings schon lange kein Neuland mehr. Es habe in der Kirchengemeinde bereits einen Eine-Welt-Kreis gegeben, erzählt Ursula Klimm. Jetzt aber habe man sich einer Initiative von Brot für die Welt angeschlossen. Man will künftig „Faire Gemeinde“ sein. Eine Selbstverpflichtung, so berichtet Klimm, habe der Kirchengemeinderat bereits unterzeichnet. Nun gilt es die Auszeichnung „Faire Gemeinde“ mit Leben zu erfüllen und praktisch umzusetzen.

Die Rahmenbedingungen sind klar: Wer faire Gemeinde sein will, muss bei Veranstaltungen wie etwa Kirchenfesten fair gehandelten Kaffee ausschenken und mindestens ein weiteres Produkt aus fairem Handel anbieten. Für die folgenden zwei Jahre muss die teilnehmende Gemeinde darüber hinaus drei weitere Kriterien erfüllen. Die Öhringer planen Müll zu vermeiden, sprich es wird nur Mehrweggeschirr verwendet, auch soll es nur noch faire Geschenke für Geburtstagskinder oder Referenten geben. Diese Geschenke können Produkte aus fairem Handel sein, ebenso wie regionale Produkte oder aus Werkstätten für Menschen mit Behinderung. Ein drittes Ziel ist die „faire Bewirtung“ bei Festen, wie es vergangenen Sonntag bereits geschehen ist. Nach den ersten zwei Jahren muss sich die Gemeinde weitere Ziele setzen. Dass faires Handeln viele unterschiedliche Facetten haben kann, machte das Fastenessen im Gemeindesaal deutlich: Wer fair handeln will, dessen Blick muss nämlich nicht immer zwangsläufig in die Ferne gerichtet sein. „Es geht uns auch darum bewusst zu machen, dass man mit Produkten aus der Region problemlos kochen kann. Es gibt hier alles“, sagt Hedwig Ulbricht, die gemeinsam mit elf jugendlichen und erwachsenen Helfern das Essen gekocht hat.

Informationen und Tipps, wie faires Engagement aussehen könne, hat sich die Steuerungsgruppe im Vorfeld bei der Kommune Pfedelbach, die Fairtrade-Gemeinde ist, und auch bei der evangelischen Kirchengemeinde Öhringen, die seit 2016 faire Gemeinde ist, geholt.

Nada Zinic ist zuversichtlich, dass sich nun auch in ihrer Kirchengemeinde einiges bewegen lässt. Sie sagt: „Gottes Wort fordert uns auf, die Schöpfung zu bewahren und uns um das Wohl der Menschen zu kümmern. Es wäre so schön, wenn mehr Menschen hinterfragen würden, wo kommt das Produkt her, das ich kaufe, und wurde es unter fairen Bedingungen hergestellt.“

 

(Regina Koppenhöfer, Hohenloher Zeitung, 23.03.2018, www.stimme.de)