Ort der Stille und Nächstenliebe

400 Jahre alt ist die Nagelsberger Kirchengemeinde – und das feiert sie auch gebührend am Jacobustag. Schließlich ist der Heilige, der zu den erstberufenen Jüngern Jesu und den bedeutendsten Heiligen der katholischen Kirche gehört, der Schutzpatron der kleinen Nagelsberger Kirche.

Für ihren Festtag hat die kleine Kirchengemeinde alles auf geboten, was sie zu bieten hat. Und es sind vor allem die Frauen aus der Gemeinde, die sich ins Zeug gelegt haben: Die Mesnerin hat das Jahrhunderte alte Kirchlein, das frisch saniert an einem Seitenpfad des Jacobswegs liegt, liebevoll mit leuchtend gelben Sonnenblumen und weißen Rosen geschmückt. Oben auf der Empore steht der Nagelsberger Kirchenchor unter Elisabeth Stärkels Leitung und lässt Charpentiers „Gottes Lob“ laut erschallen. Kirchenmusikin Teresa Schäfer begleitet an der Orgel, und ein junge Trompeter webt Bläsertöne dazwischen. Beim Gottesdienst übernehmen schließlich die Kirchengemeinderätinnen Hilde Braun und Martina Wick Einführung und Lesung.

Unten ist das Kirchenschifflein längst bis auf den letzten Platz gefüllt. Schließlich ist Bischof Gebhard Fürst höchstpersönlich zur Feier des 400-jährigen Bestehens der Kirchengemeinde nach Nagelsberg gekommen. Zusammen mit Dekan Ingo Kuhbach, dessen Stellvertreter Helmut Nohanowitsch, dem Künzelsauer Pfarrer Erhard Nentwich und Diakon Wolfgang Bork zelebriert er die heilige Messe.

Gern habe er den Besuch zugesagt, da er ein Jacobus-Anhänger sei, so Gebhard Fürst. Mehr als 400 Kilometer sei er in den letzten zehn Jahren bereits auf den Jacobspfaden in der Diözese unterwegs. Allein durch Nagelsberg sei er dabei noch nicht gekommen.

Als Ort der Ruhe und der Stille beschreibt er die Nagelsberger Kirche, der in vergangenen Zeiten auch ein Hospiz angegliedert war, als der Bischof die Geschichte der Jacobuskirche Revue passieren lässt. Eine Kirche, in der nicht die Mächtigen zusammengekommen seien, sondern Schwache, Kranke und Hilfebedürftige, die der christlichen Nächstenliebe bedurften. Doch sie sei auch stets ein Ort des Gebets, der

Doch sie sei auch stets ein Ort des Gebets, der Gottesbegegnung und der Gnade gewesen, in der unzählige Menschen Gottesdienst gefeiert, geheiratet und ihr Kinder hätten taufen lassen. Dieser Rückblick erfülle nicht nur mit Dankbarkeit und Freude. „Daraus beziehen wir „Kraft für die Gegenwart und Zukunft.“

Zu dieser Nagelsberger Kirchengeschichte passe Jacobus als Kirchenheiliger gut. Denn seine Lebensgeschichte als Wegbegleiter Jesu wolle nicht nur daran erinnern, „dass wir mit Jesus auf allen unseren Wegen unterwegs sind“. Sie zeige auch, dass man die Nähe zu Gott nicht einfordern könne, so wie es Jacobus’ Mutter getan habe. Wer groß sein wolle, müsse zuerst Diener sein. Gottes Gnade verdienen könne man letztlich aber nicht. „Man kann sie nur geschenkt bekommen“, so der Bischof. Und wie es sich für den Jacobitag gehört, macht sich die Gemeinde an ihrem Festtag zusammen mit dem Bischof auf den Weg – ins Gemeindezentrum der Christuskirche, um gebührend zu feiern. Nicht nur Sekt uns Häppchen gehören dazu. Auch die traditionellen Jacobiäpfel fehlen nicht.

Barbara Griesinger, Hohenloher Zeitung, 30. Juli 2018, www.stimme.de