Sichtbares Zeichen der Zusammenarbeit

Katholische Kirchengemeinde St. Joseph und Caritas Heilbronn-Hohenlohe denken gemeinsames Bauprojekt an

Foto:Regina Koppenhöfer

Die Idee, mit der Caritas Heilbronn-Hohenlohe gemeinsam ein Bauprojekt zu realisieren, ist nicht ganz neu in der katholischen Kirchengemeinde St. Joseph. Doch jetzt könnte aus dem Wunsch Wirklichkeit werden. Auf einem freien Grundstück in der Hunnenstraße 55, das der Kirchengemeinde gehört und bislang ungenutzt ist, und auf weiterem, angrenzendem Terrain der Kirchengemeinde könnte bis Ende 2024 ein Gebäudekomplex entstehen, den die Caritas und die Kirchengemeinde gemeinsam nutzen. Der Arbeitstitel des Projekts „Kirche und Caritas am Cappelrain“ spiegelt die Philosophie wieder: Kirchengemeinde und Caritas wollen zusammen präsent sein, gemeinsam aktiv werden und mit ihrer Kooperation in den Sozialraum wirken.

Es ist ein spannendes Projekt, das Architekt Manfred Gruber den Kirchengemeinderäten von St. Joseph in der jüngsten Sitzung im Rahmen einer Machbarkeitsstudie präsentiert. Gruber stellt ein mögliches Bauprojekt auf dem Gelände der Kirchengemeinde vor, das acht Wohneinheiten für seelisch behinderte Menschen, Beratungsräume und Büros für die Caritas, die neuen Räume des Pfarrbüros von St. Joseph und ein Laden-Café, also einen Ort der Begegnung, unter einem Dach zusammenbringen soll. „Wir werden noch enger, noch sichtbarer, noch kooperativer durch so ein Projekt“, ist Pfarrer Klaus Kempter der Überzeugung, und er spricht hier nicht nur für die Kirche.

Entstehen soll der neue Gebäudekomplex an einer exponierten und auch frequentierten Lage in der Stadt. Die Vertreter von Caritas und Kirche sind sich einig darin, dass der Neubau gerade im Umfeld des Cappelrains, der mit der Landesgartenschau zur Flaniermeile wurde, eine gelungene Anlaufstelle für Menschen mit ganz unterschiedlichen Bedürfnissen werden könne.

Stefan Susset von der Caritas erläuterte, was alles sich am Knotenpunkt von Cappelrain und Hunnenstraße bündeln würde: Wer fachliche Beratung oder Seelsorge suche, finde beides unter dem Dach des Neubaus. Stille und Einkehr böte dem Suchenden die Josephskirche. Wer lieber Begegnung und etwas Geselligkeit wünsche, der könne das geplante Laden-Café des Projekts aufsuchen. Vorgesehen ist, dass dort Menschen mit Behinderung beispielsweise Eine-Welt-Produkte oder auch Kunsthandwerk verkaufen. Die Mitarbeiter hätten dadurch die Möglichkeit eines Zuverdienstes. Ulf D. Schwarz von der CaritasStiftung Lebenswerk Zukunft unterstreicht: „Es geht uns nicht nur ums Bauen. Es geht auch um den Inhalt.“ Kirche, Caritas und Sozialraum, so Schwarz, „bilden einen Dreiklang“. Kathrin Finkbeiner von der Caritas bestätigt dies und ergänzt, dass die Beratungsdienste durch das gemeinsame Projekt noch sichtbarer werden würden.

Doch bis es soweit ist, muss noch so mancher Entschluss gefasst werden. Als nächstes nun müssen die Kirchengemeinderäte darüber entscheiden, welche Flächen für das Bauprojekt freigegeben werden.

Architekt Gruber stellte in seiner Machbarkeitsstudie verschiedene Bauvarianten vor. Bei einer dieser Varianten wird der Abriss des mit rund 20 Jahren noch relativ jungen Pfarrhauses angedacht. Auch der Abriss des teilweise sanierungsbedürftigen Pfarrbüros wird in einer Variante thematisiert. Pfarrer Kempter teilte beim Pressegespräch seine Vermutung mit, dass jene Variante, in der das Pfarrhaus abgerissen werden soll, „keine Zustimmung bekommen werde“.

Variante B, darin waren sich Klaus Kempter und Nada Zinic indes einig, „hat sicherlich deutliche Sympathien im Kirchengemeinderat“. Bei dieser Planungsvariante bleibt das Pfarrhaus erhalten. Die geplante Neubebauung verläuft in diesem Fall entlang der Hunnenstraße. In Bezug auf die Grünbereiche auf dem Kirchengelände sagte Kempter: „Vom Baumbestand südlich der Kirche soll möglichst viel erhalten bleiben, und auch der grüne Bereich nahe dem Kindergarten soll erhalten bleiben.“

Die Kosten für das Bauprojekt werden je nach Variante zwischen 6,6 Millionen Euro und 8,9 Millionen Euro liegen. Jeder Projektpartner, so wurde mitgeteilt, wird seinen Anteil selbst finanzieren. Auf die Kirchengemeinde werden, wenn sie Räume für ein neues Pfarrbüro schafft, Kosten in Höhe von gut zwei Millionen Euro zukommen. Gibt es von den Kirchengemeinderäten in der Mai-Sitzung grünes Licht fürs Projekt, wird zeitnah die Projektvereinbarung „Kirche und Caritas am Cappelrain“ unterzeichnet. Danach wird ein Architektenwettbewerb ausgeschrieben. Im November, so plant man, solle dann die Entscheidung darüber fallen, welcher Entwurf realisiert wird.

Regina Koppenhöfer, Hohenloher Zeitung 11.05.2021, www.stimme.de