Umhüllte Krippe im Zeichen von Corona

Alle zwei Jahre erschafft Mesner Linus Kraft in der Ailringer Kirche Sankt Martinus ein Adventskunstwerk

Foto: Bigna Fink

Von außen bietet die Sankt-Martinus-Kirche einen Blick in das vernebelte Jagsttal, ein Hauch Schnee bedeckt die Dächer Ailringens. Im Inneren des Gotteshauses umhüllt seit diesem Advent ein Kunstwerk aus Weiden die Weihnachtskrippe.

„Die Silberweiden habe ich an der Jagst geschnitten“, erzählt Linus Kraft, Schöpfer des diesjährigen Adventskunstwerks in der katholischen Kirche. Die Weiden hat der Mesner um gebogene Holzlatten „in Form einer viertel Weltkugel“ geflochten. Auf einer erhöhten Holzplatte vor dem rechten Seitenaltar platzierte der Industriearbeiter und gelernte Schreinermeister die alte Holzkrippe. Um sie herum befestigte er sein Weidengeflecht. Ihm mache die Herstellung des Kunstwerks Spaß, erzählt Kraft. Im Urlaub und an Feierabend hat der Vater zweier Kinder daran gewerkelt.

Seit über 25 Jahren ist der gebürtige Ailringer ehrenamtlicher Mesner der Pfarrkirche, bereitet den Gottesdienst vor, macht den Kirchenputz, hilft dem Pfarrer beim Anziehen der Stola, dem Priestergewand. Und alle zwei Jahre kreiert der heute 61-Jährige ein neues Gebilde für die Adventszeit: Einmal schuf Kraft einen Berg aus Salz „gegen die Fadheit im Leben“, vor zwei Jahren formte er ein Schiff, „weil wir alle im gleichen Boot sitzen“.

Die Symbolkraft seiner Adventskunst zeigt sich besonders im Jahr 2020: „Das Werk, die mit den Weiden umhüllte Krippe, steht für unseren diesjährigen Rückzug in die Wohnung, den eigenen Bereich“, sagt Kraft. „Wir müssen aus Rücksicht gegenüber unseren Mitmenschen auf unsere normale Freiheit verzichten.“

Trotz Einschränkungen finden in der Corona-Zeit Gottesdienste der Kirchengemeinde statt. Zu ihnen kommen derzeit laut Kraft zwischen 20 bis 40 Menschen. Vor der Pandemie waren es bis zu 100 Besucher. Mit großem Abstand zu Menschen anderer Haushalte nehmen die Gläubigen im Gotteshaus Platz, jede zweite Kirchenbank ist gesperrt. Am Eingang steht ein Desinfektionsspender, die Teilnehmer müssen Zettel mit ihren Kontaktdaten abgeben. Der Gottesdienst an Heiligabend findet dieses Jahr im Freien, in der Ortsmitte Ailringens, statt.

„Es ist eine in sich gekehrte Zeit“, sagt der Kirchendiener. Und so stehe sein Kunstwerk auch dafür, diese Zeit als Anlass zu nehmen, in sich zu kehren, zu sich und zu Gott zu finden. „Finden wir nicht ein Stück weit auch in unseren Mitmenschen zu Gott?“, fragt er nachdenklich.

Und noch eine Bedeutung hat die beleuchtete, „zu einem Viertel der Weltkugel“ geformte Weidenhöhle: „Es ist wichtig, sich neben dem Schutz der Mitmenschen auch den Schutz der Umwelt bewusst zu machen“, erläutert Kraft die Doppelsymbolik seines Kunstwerks. Auch als Zeichen der Welt hat der Mesner Zweige von Heckenrosen zu einer kleinen Kugel geformt und auf die Krippenhülle gelegt.

Täglich zwischen 15 und 18 Uhr macht Linus Kraft die vier Scheinwerfer in dem Gebilde an. Die Weidenzweige erzeugen dank des nach außen scheinenden, warmen Lichts ein stimmungsvolles Schattenspiel. „Bis zum vierten Advent schneide ich immer mehr Löcher in die Weidenhülle, so dass man besser zur Krippe spickeln kann“, verrät Kraft. Das Adventskunstwerk soll noch bis zum 2. Februar, zu Mariä Lichtmess, das Innere der Kirche schmücken.

Bigna Fink, Hohenloher Zeitung, 11.12.2020, www.stimme.de