Von Stärken, Erfahrungen und Seelenheil

30-jähriges Bestehen des Frauenprogramms wird mit großem Fest gefeiert

Foto: Andreas Scholz

Frauen, die ihre Stärken entdecken wollen oder sich einfach mal aus dem stressigen Alltag ausklinken möchten, zieht es seit vielen Jahren magisch ins Kloster Schöntal. Seit dreißig Jahren werden dort in den Seminarräumen der barocken Klosteranlage zahlreiche Workshops und Seminare angeboten, die sich speziell an Frauen richten. Das dreißigjährige Bestehen des Frauenprogramms im Kloster Schöntal wird mit einem großen Fest gefeiert.

Bei schwülheißem Wetter startet das Frauenfest um 14.30 Uhr mit einem Interview, das die neue Frauenreferentin in der Diözese Rottenburg Stuttgart, Dorothee Kluth, mit Elisabeth Baur und Elsbeth Wieland-Sautter führt. Später am Abend werden beide für ihre langjährigen Verdienste um die Gestaltung des Frauenprogramms in Schöntal geehrt und ausgezeichnet.

„Die Geburtsstunde war im Herbst 1987 im Bildungshaus in Schöntal. Das Besondere an unserem Frauenprogramm ist, dass es von Anfang an ökumenisch von der Katholischen Erwachsenenbildung Hohenlohekreis und vom Evangelischen Bildungswerk Hohenlohe verantwortet wurde“, blickt Elisabeth Baur auf die Anfänge zurück. Das Startmotto war damals ehrgeizig: „Frauen entfalten sich, brechen auf, gehen auf Frauen zu, tun etwas für sich selbst, spielen sich frei, stecken sich an, werden sich ihrer Kraft bewusst und geben sich ein Programm“, listet Elisabeth Bauer die anspruchsvollen und breit gefächerten Grundsätze auf.

„Für unser erstes Frauenprogramm im Juli 1988 haben wir eine Blume gewählt, die symbolisch dafür steht, dass Frauen ihre Begabungen und ihre Kreativität entfalten sollen“, betont Elisabeth Baur.

Nach einer stärkenden Kaffeepause bot sich bei zahlreichen Workshops den Frauen die Gelegenheit, die eigenen Stärken praktisch zu entfalten. Und das Programm war vielfältig. Magda Lieb aus Schöntal besuchte den Workshop von Dr. Marion Schilling, der sich mit Resilienz auseinandersetzt. „Es ging darum, was Resilienz bedeutet. Biegen statt brechen, um die seelische Widerstandskraft zu erhöhen, war nur eins von vielen anschaulichen Beispielen, das uns die Referentin vorgestellt hat“, erläutert Magda Lieb. Claudia Schackmar aus Pfedelbach sammelt in einem zeitgleich stattfindenden Workshop „spirituelle Wüstenerfahrungen“. „Ingrid Mettert war schon oft in der Sahara und hat uns von ihren Erfahrungen berichtet. Wir haben auch Friedenstänze aufgeführt und dabei sogar ein bisschen den echten Wüstensand visuell vor Augen gehabt“, sagt Claudia Schackmar mit einem Augenzwinkern.

Körperliche Bewegung steht auch im Workshop von Arunga Heiden im Fokus. Die Klangtherapeutin aus Tübingen genoss einst eine klassische Gesangsausbildung. Inzwischen beherrscht sie auch einige exotische Instrumente, wie die „Shrutibox“. „Das Instrument stammt aus Indien und dient mir in meinen Workshops als Gesangsbegleitung“, erläutert Arunga Heiden.

Auch beim Frauenfest in Schöntal entlockt sie der Shrutibox sanfte Klänge, die die begleitenden Mantra-Gesänge auflockern. „Ein Mantra ist ein wiederholender Gesang, der nach und nach die Seele öffnet“, erläutert Arunga Heiden. Zahlreiche Frauen wie Klara Hertlein aus Meßbach lassen sich voll und ganz auf die meditative Stimmung im Raum ein. „Das Schöne ist, dass ich mich zu den Gesängen ganz locker bewegen kann. Es tut einfach dem Herz und der Seele gut“, erklärt Hertlein.

Ebenfalls für das Seelenheil gut ist herzhaftes Lachen. Dafür sorgt an diesem Abend natürlich ebenfalls eine Frau. Mit ihrem Kabarettprogramm „Kill me, Kate! – Eine moderne Komödie über die Tragödie heute eine Frau zu sein“ strapaziert Inka Meyer nach dem Abendessen die Lachmuskeln von 130 begeisterten Zuhörerinnen. „Herr, wirf Hirn vom Himmel oder Stein – Hauptsache, Du triffst“, lautet eines ihrer Stoßgebete im festlich geschmückten Klostersaal.

 

Andreas Scholz, 14.06.2018, Hohenloher Zeitung, www.stimme.de